Ein Gruppenbild des Pfarrleitungsteams: Lars Mehring, Sebastioan Keifenheim, Verena Wendt-Corneli und Oliver Scherges
Das neue Pfarrleitungsteams: Lars Mehring, Diakon Sebastian Keifenheim, Verena Wendt-Corneli und Pastor Oliver Scherges

„Die Pfarrei sind wir alle“

Ein Gespräch mit dem neuen Leitungsteam der Pfarrei St. Lambertus

Mit dem Weggang von Pfarrer Olaf Deppe beginnt für die Pfarrei St. Lambertus eine neue Phase: Erstmals übernimmt ein Leitungsteam aus Hauptamtlichen gemeinsam die Verantwortung für die pastorale und organisatorische Führung. In einem ausführlichen Interview sprechen Verena Wendt-Corneli, Lars Mehring, Sebastian Keifenheim und Oliver Scherges über ihre persönlichen Beweggründe, die Herausforderungen des neuen Modells und ihre Vision für die Zukunft der Pfarrei. Dabei wird deutlich: Die Veränderungen sind nicht nur struktureller Natur – sie laden auch dazu ein, Kirche gemeinsam zu gestalten.

 

Was hat Sie persönlich motiviert, Teil des neuen Leitungsteams zu werden, und was bedeutet diese Aufgabe für Sie?

Verena Wendt-Corneli: Der Weg zum neuen Leitungsteam war ein längerer Prozess im Pastoralteam. Für mich hat sich irgendwann herauskristallisiert, dass ich diese Herausforderung in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit gerne annehmen möchte. Ich möchte dazu beitragen, dass die bisherige Arbeit in der Pfarrei weitergeführt wird.

Lars Mehring: Ich wollte das Team nicht im Stich lassen, sondern Verantwortung übernehmen und die Veränderungen aktiv mitgestalten. Mir ist wichtig, für die Menschen vor Ort da zu sein und die Pastoral weiterzuführen. Ohne das Leitungsteam hätte es vielleicht eine Einzelperson gegeben, die vieles anders entschieden hätte – das wäre für mich nicht tragbar gewesen.

Sebastian Keifenheim: Mir war wichtig, dass wir als Team gemeinsam Verantwortung übernehmen. Veränderungen in der Kirche machen vielen Menschen Angst. Ich möchte aktiv mitgestalten, damit kirchliches Leben vor Ort weitergeht – nicht durch Zufall, sondern durch Menschen, die anpacken.

Oliver Scherges: Eine Einzelbesetzung durch mich war aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Das Teammodell ermöglicht eine breitere Ansprechbarkeit und eine Nähe zu den Anliegen der Menschen. Die Aufgaben werden auf mehrere Schultern verteilt.

Welche Veränderungen erwarten die Pfarrei durch das neue Modell – und was bleibt bestehen?

Scherges: Die Aufgaben bleiben im Wesentlichen gleich, aber die Zuständigkeiten sind klarer verteilt. Die Veränderungen sind nicht radikal, sondern eine Weiterentwicklung der bisherigen Zusammenarbeit.

Mehring: Für die Menschen wird sich vor allem ändern, dass es keinen einzelnen Pfarrer als Ansprechpartner mehr gibt. Stattdessen muss man schauen, wer für welches Anliegen zuständig ist. Dabei helfen wir natürlich oder leiten die Anliegen entsprechend weiter.

Keifenheim: Die größte Veränderung ist der Wegfall von Pfarrer Olaf Deppe – ein vertrautes Gesicht über Jahrzehnte. Das ist ein Einschnitt, der viele bewegt. Ich hoffe, dass die Menschen bereit sind, sich auf neue Gesichter und neue Formen des kirchlichen Lebens einzulassen.

Was verändert sich konkret auf Gemeindeebene?

Mehring: In St. Lambertus übernehmen Claus Bonsen und ich gemeinsam die Gemeindeleitung. Claus Bonsen hat bereits durch seine Tätigkeit als Gemeinderatsvorsitzender jahrelange Erfahrung. Er wird sich in Zukunft um organisatorische Fragen kümmern, ich bin für pastorale Anliegen ansprechbar.

Wendt-Corneli: Da ich durch die Aufgabenverteilung in der Pfarreileitung nicht überlastet bin, führe ich die Gemeindeleitung in St. Ludgerus und Martin zunächst weiter. Ob ich später Unterstützung durch Ehrenamtliche benötige, wird sich zeigen.

Keifenheim: In St. Hubertus bleibt vieles wie bisher, da Pastor Toups weiterhin vor Ort aktiv ist. Das gleiche gilt für die Gemeinde St. Andreas – hier ist weiterhin die Gemeindereferentin Martina Stodt-Serve tätig.

Gibt es bereits konkrete Projekte und Ideen, die Sie als Team gemeinsam angehen möchten?

Scherges: Ein Schwerpunkt wird die Projektentwicklung sein. Sebastian bringt berufliche Erfahrung mit und wird diesen Bereich übernehmen. Auch die Digitalisierung ist ein wichtiger Schritt.

Wendt-Corneli: Wir werden die Gottesdienstplanung über ein neues Programm organisieren. Das erleichtert die Vernetzung und macht Termine besser sichtbar – auch für den Pfarrgemeinderat. Auch die Raumvergabe wird künftig digital über ein Programm laufen. Das erleichtert die Organisation und macht vieles transparenter.

Keifenheim: Zunächst geht es darum, ins Tagesgeschäft zu kommen. Der Wegfall der Gemeinderäte stellt uns vor die Herausforderung, wie wir das aktive Leben in den Gemeinden künftig organisieren. Auch personelle Veränderungen stehen an, etwa ein neuer Kirchenmusiker. Und mit „Christlich leben mittendrin“ beginnt ein neuer Prozess.

Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Arbeit in der Pfarrei möchten Sie besonders in die neue Leitungsstruktur einbringen?

Scherges: Die pastorale Arbeit bleibt für mich zentral. Alles andere – Verwaltung, Finanzen – dient dazu, diese Arbeit zu ermöglichen.

Mehring: Ich war in den letzten Jahren im Pfarrgemeinderat aktiv. Diese Erfahrung hilft mir, die Arbeit mit den Menschen vor Ort weiterzuführen.

Wendt-Corneli: Ich habe bereits 2001 die Zusammenlegung der Gemeinden St. Ludgerus und St. Martin miterlebt. Diese Erfahrung hilft mir, die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen und unterschiedliche Bedürfnisse miteinander zu verbinden.

Keifenheim: Ich komme ursprünglich aus St. Raphael und habe die Veränderungen dort selbst erlebt. Diese Erfahrung hilft mir, Veränderungsprozesse aus Sicht der Betroffenen zu verstehen. Es geht darum, Menschen nicht zu verlieren, sondern sie mitzunehmen – mit viel Kommunikation und Vertrauen.

Wie können sich Gemeindemitglieder beteiligen? Was wünschen Sie sich von den Gemeindemitgliedern?

Scherges: Ich wünsche mir, dass Kirche als gemeinschaftliches Projekt verstanden wird – nicht als Aufgabe Einzelner. Die Pfarrei sind wir alle. Und Kritik ist willkommen, wenn sie wohlmeinend ist.

Mehring: Ein bisschen Nachsicht, wenn nicht alles sofort rund läuft. Wir sind bemüht und arbeiten als Team gut zusammen. Wenn etwas übersehen wird, freuen wir uns über Hinweise.

Keifenheim: Offenheit und den Mut, sich einzubringen. Laienbeteiligung wird immer wichtiger. Ich hoffe, dass Menschen aus der Rolle des Zuhörens herauskommen und aktiv mitgestalten. Vertrauen entsteht mit der Zeit – wenn wir gemeinsam unterwegs sind.

Wendt-Corneli: Kürzlich wurde mir gespiegelt, dass ich in der Gemeinde St. Ludgerus und Martin eine Menge Menschen um mich habe, die sich vielfältig engagieren und denen Gemeindeleben wichtig ist. Das schätze ich sehr und hoffe, dass ich auch pfarreiweit motivieren kann, gemeinsam Glauben und Kirche zu leben.

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